Doch im gelben Umschlag ist keine Kündigung. Es ist eine Einladung zur Hausversammlung, auf der Herr Brunner die Renovation erklären will. „Ich habe gehört, dass Sie beim Mieterverband waren“, sagt er kühl und geht.
In der Abendschule hat Elif inzwischen nette Leute kennengelernt: Marco aus dem Tessin, Ana aus Portugal und Lukas, der früher Koch war. Im Kurs geht es oft um Reklamationen. „Worüber beschweren sich Kunden am häufigsten?“, fragt die Lehrerin. „Über lange Wartezeiten“, antwortet Lukas. „Und darüber, dass niemand zuhört.“
Am Samstag geht Elif auf den Markt am Helvetiaplatz, um für die Hausversammlung zu kochen. Sie will eine Linsensuppe nach dem Rezept ihrer Mutter machen. Bei einem Stand reklamiert sie, weil die Tomaten, die sie letzte Woche gekauft hat, schon am nächsten Tag faul waren. Der Verkäufer entschuldigt sich und gibt ihr frische Tomaten gratis.
Neben ihr steht plötzlich Herr Brunner. Er interessiert sich für die roten Linsen und fragt, wofür man sie braucht. Elif erklärt ihm das Rezept, und zum ersten Mal lächelt er. Dann erzählt er, dass er sich eigentlich gar nicht um das Haus kümmern möchte. Sein Sohn Thomas, der die Finanzen macht, drängt ihn zur Renovation.
An der Hausversammlung isst Herr Brunner zwei Teller Suppe. Danach sagt er etwas, womit niemand gerechnet hat: „Ich möchte, dass Sie mit meinem Sohn sprechen, Frau Demir. Nächsten Donnerstag. Vielleicht finden wir eine Lösung.“