Der grosse Saal im Volkshaus ist bis auf den letzten Platz besetzt. Auf dem Podium sitzen Frau Dr. Graf, der Präsident des Gewerbeverbands, Pierre für den Quartierverein und Elif, deren Namensschild zur Belustigung einiger Nachbarn „Rheinlog AG“ trägt. Die ersten vierzig Minuten verlaufen hitzig. Der Gewerbeverband warnt vor dem Ladensterben, Pierre wirft der Wirtschaft Egoismus vor, und aus dem Publikum kommen Zwischenrufe.
Dann erhält Elif das Wort. Sie steht auf, obwohl das nicht vorgesehen ist. „Was dieses Quartier braucht, ist nicht ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch“, beginnt sie. „Ich wohne seit drei Jahren an der Klybeckstrasse, und ich arbeite seit drei Jahren für eine Firma, die durch diese Strasse liefert. Gerade deshalb weiss ich: Weder kann das Gewerbe ohne Lieferungen überleben, noch können wir Bewohnerinnen und Bewohner den Lärm ewig ertragen.“ Sie stellt das Modell mit den Lieferfenstern und den Lastenvelos vor. Nicht die Autos, betont sie, seien das Problem, sondern die fehlende Planung.
Zum ersten Mal an diesem Abend ist es still im Saal. Dann nickt der Präsident des Gewerbeverbands langsam, und Frau Dr. Graf kündigt an, den Vorschlag in die weitere Planung aufzunehmen. Am Ende gibt es Applaus von beiden Seiten.
Später steht Elif mit Selin und Pierre am Rheinufer. Die Lichter von Grossbasel spiegeln sich im Wasser. „Und?“, fragt Selin. „Nimmst du die Stelle bei der Stadt an?“ Elif schweigt lange. Bei Rheinlog hätte sie endlich die Unterstützung für ihr Pilotprojekt; bei der Stadt könnte sie das ganze Quartier mitgestalten.
„Was ich in den letzten fünf Jahren gelernt habe“, sagt sie schliesslich, „ist, dass man die richtigen Entscheidungen nicht aus Angst trifft.“ Sie zieht ihr Handy aus der Tasche, öffnet die Nachricht von Frau Dr. Graf und beginnt zu tippen.