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Ein neuer Anfang in Zürich · 2/6

Ärger im Treppenhaus

Der Brief von Herrn Brunner ist kurz und unfreundlich. Er schreibt, dass sich mehrere Nachbarn über Elif beschwert hätten. Sie würde ihre Wäsche zu lange in der Waschküche hängen lassen, ihr Velo stehe im Treppenhaus statt im Keller, und am Wochenende sei es in ihrer Wohnung nach 22 Uhr zu laut. „Falls sich das nicht ändert, werde ich den Mietvertrag kündigen“, steht am Ende.

Elif ist schockiert. Sie klopft bei Frau Keller, der älteren Nachbarin im ersten Stock, die schon seit dreissig Jahren im Haus wohnt. Frau Keller bittet sie herein und macht Tee. „Ich habe mich nie über Sie beschwert“, sagt sie. „Im Gegenteil, Sie tragen mir ja immer die Einkäufe hoch.“

Dann erzählt Frau Keller etwas Interessantes. Herr Brunner möchte das ganze Haus renovieren lassen und danach die Wohnungen viel teurer vermieten. „Er sucht Gründe, damit die Mieter ausziehen“, sagt sie leise. „Bei Familie Rossi im zweiten Stock hat er es letztes Jahr genauso gemacht.“

Elif denkt nach. Es stimmt, dass ihr Velo manchmal im Gang steht, weil der Veloraum im Keller immer voll ist. Und einmal hat sie mit Freundinnen Geburtstag gefeiert. Aber deswegen gleich kündigen?

Am Abend liegt sie lange wach. Morgen um zehn Uhr hat sie das Vorstellungsgespräch in Winterthur, und sie sollte ausgeschlafen sein. Doch sie denkt nur: Wo würde sie in Zürich eine bezahlbare Wohnung finden, wenn sie diese verlieren würde? Um drei Uhr nachts klingelt plötzlich ihr Handy.

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