Am nächsten Morgen liest Elif in der Basler Quartierzeitung einen ausführlichen Bericht über das geplante Projekt. Die zuständige Stadtplanerin, Frau Dr. Graf, wird darin ausführlich zitiert. Die Klybeckstrasse sei heute eine der lautesten Strassen Kleinbasels, sagt sie. Täglich führen dort über 6000 Fahrzeuge durch, die Luftqualität liege deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt. Mit der neuen Tramlinie und breiten Velowegen solle das Quartier wieder lebenswert werden. Der Umbau werde voraussichtlich in zwei Jahren beginnen.
Im selben Artikel kommt auch der Präsident des Gewerbeverbands zu Wort. Er befürchte, dass viele Läden ihre Kundschaft verlieren würden, wenn niemand mehr mit dem Auto vorfahren könne. Die Anlieferung sei schon heute kompliziert; ohne klare Lösungen für den Lieferverkehr drohe dem Quartier ein Ladensterben. Man sei nicht grundsätzlich gegen Veränderungen, habe aber den Eindruck, dass die Stadt das Gewerbe nicht ernst nehme.
Elif legt die Zeitung beiseite und denkt nach. Als Bewohnerin würde sie sich über weniger Lärm freuen: Ihr Schlafzimmer liegt direkt an der Strasse, und im Sommer kann sie das Fenster kaum öffnen. Als Projektleiterin bei Rheinlog weiss sie hingegen, dass ihr neues Liefersystem genau auf dieser Route basiert.
Im Büro erzählt sie Herrn Vogt davon. Er winkt ab. Die Stadt plane viel, sagt er, umgesetzt werde davon nur ein Bruchteil. Sie solle sich auf ihr Projekt konzentrieren.
Doch am Abend ruft Elifs Nachbar Pierre an, der im Vorstand des Quartiervereins sitzt. Der Verein organisiere im Juni eine öffentliche Debatte im Volkshaus. „Du kennst sowohl das Quartier als auch die Logistikbranche“, sagt er. „Wir möchten, dass du auf dem Podium sprichst.“ Elif zögert. Auf welcher Seite würde sie dort eigentlich stehen?