In den folgenden Wochen widmet sich Elif ganz der Analyse. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Liefersystems, das sowohl den Kundenwünschen nach schneller Verfügbarkeit als auch den steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit gerecht wird. Die von der Detailhandelskette zur Verfügung gestellten Daten zeigen ein widersprüchliches Bild: Zwar geben über siebzig Prozent der befragten Kundinnen und Kunden an, beim Einkauf auf Umweltverträglichkeit zu achten, doch die Nachfrage nach Lieferungen innerhalb von zwei Stunden hat sich seit 2022 verdoppelt.
Um diesen Widerspruch besser zu verstehen, besucht Elif ihre Freundin Selin, die an der Feldbergstrasse einen Secondhand-Laden für Kleider und Möbel betreibt. „Die Leute wollen nachhaltig leben, aber bitte ohne Verzicht“, meint Selin lachend, während sie einen aus den Sechzigerjahren stammenden Sessel abstaubt. „Bei mir kaufen sie gebrauchte Jacken und bestellen am gleichen Abend online drei neue.“
Zurück im Büro erstellt Elif mit Jonas eine detaillierte Kostenberechnung. Die Umstellung der Flotte auf Elektrofahrzeuge, die Einrichtung eines Umschlagplatzes am Stadtrand sowie die Feinverteilung mit Lastenvelos würden den ursprünglich budgetierten Betrag um beinahe das Doppelte übersteigen. Bei einer Beibehaltung der heutigen Dieselfahrzeuge wäre das Projekt hingegen günstig, jedoch kaum vereinbar mit den Nachhaltigkeitszielen des Auftraggebers.
Elif präsentiert die Ergebnisse Herrn Vogt. Dieser studiert die Tabelle lange und schweigend. Dann schiebt er sie zurück. „Diese Zahlen zeigen wir dem Kunden vorerst nicht“, sagt er. „Wir präsentieren die günstige Variante und sprechen von einer schrittweisen Elektrifizierung. Die Details klären wir später.“
Elif spürt, wie ihr Magen sich zusammenzieht. Wenn der Kunde später von den wahren Kosten erführe, stünde nicht Herr Vogt im Mittelpunkt der Kritik, sondern sie als verantwortliche Projektleiterin.