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Zwischen Rhein und Entscheidung · 4/6

Eine Einsprache mit fremdem Namen

Trotz ihrer Bedenken beschliesst Elif, sich zunächst auf das Quartier zu konzentrieren. Am Informationsabend im Quartiertreff drängen sich über hundert Menschen in einem viel zu kleinen Saal. Ältere Bewohnerinnen beklagen sich über den Lärm, junge Familien wünschen sich sichere Schulwege, und der Besitzer der Bäckerei an der Ecke fürchtet um seine Existenz.

Pierre bittet Elif, ihm beim Verfassen einer offiziellen Stellungnahme des Quartiervereins an das Bau- und Verkehrsdepartement zu helfen. Sie formuliert sorgfältig: „Aufgrund der hohen Lärmbelastung begrüsst der Quartierverein die Umgestaltung der Klybeckstrasse ausdrücklich. Wegen der Bedeutung des lokalen Gewerbes fordern wir jedoch, dass innerhalb der autofreien Zone feste Zeitfenster für die Anlieferung vorgesehen werden. Trotz der verständlichen Eile ersuchen wir das Departement, die Betroffenen vor der definitiven Planauflage anzuhören.“

Pierre ist begeistert. „Präziser hätte man es nicht formulieren können“, sagt er. Innerhalb einer Woche unterschreiben über 400 Personen die Stellungnahme.

Ein paar Tage später sitzt Elif in der Mittagspause am Rheinufer und liest auf dem Handy die Liste der bisher eingegangenen Einsprachen, die der Kanton online veröffentlicht hat. Die meisten stammen von Privatpersonen, einige von Verbänden. Doch dann stockt ihr der Atem. Unter Nummer 17 steht: „Rheinlog AG, Basel. Antrag: vollständige Ablehnung des Projekts wegen unzumutbarer Einschränkungen des Lieferverkehrs.“ Und darunter, als Kontaktperson für Rückfragen: „Elif Demir, Projektleiterin“.

Niemand hat sie gefragt. Niemand hat ihr die Einsprache gezeigt. Elif steht auf, lässt ihr halb gegessenes Sandwich auf der Bank liegen und macht sich auf den Weg zum Dreispitz. Diesmal würde sie nicht schweigen.

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