Um die Diskussion zu versachlichen, hat das Bundesamt bei einem Forschungsinstitut der ETH eine Wirkungsstudie in Auftrag gegeben. Sie soll klären, wie stark der Lieferverkehr durch die geplante Abgabe tatsächlich zurückginge und welche Kosten auf die Betriebe zukämen. An einem grauen Novembermorgen präsentiert Professorin Nadia Bachmann die Ergebnisse im Sitzungszimmer.
Die Zahlen sind erfreulich deutlich: Rund ein Viertel der Fahrten liesse sich innerhalb von fünf Jahren auf elektrische Fahrzeuge oder Lastenvelos verlagern, die Mehrkosten für kleine Betriebe seien überschaubar. Elif atmet auf. Doch dann meldet sich Dr. Simon Kälin, ein junger Mitarbeiter des Instituts, der bisher geschwiegen hat. „Ich möchte auf eine methodische Schwäche hinweisen“, sagt er leise. „Ein Teil der Rohdaten stammt aus einer Umfrage, die vom Verband der Transportunternehmen selbst durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind daher nur bedingt verallgemeinerbar.“
Im Raum wird es still. Professorin Bachmann räumt ein, dass die Datenlage lückenhaft sei, betont aber, dass die Tendenz eindeutig bleibe. Reto flüstert Elif zu: „Wenn das an die Öffentlichkeit kommt, ist die Studie erledigt.“ Elif überlegt. Sie könnte die Studie unverändert veröffentlichen, die Ergebnisse sind schliesslich in ihrem Sinn. Aber gerade deshalb wäre jeder Zweifel an der Methode politisch verheerend.
„Die Frage ist nicht, ob uns das Ergebnis gefällt“, sagt sie schliesslich. „Die Frage ist, ob es haltbar ist. Die Schwäche ist offenzulegen, und die Zahlen sind mit unabhängigen Daten zu überprüfen. Lässt sich das bis Ende Januar machen?“ Professorin Bachmann zögert, dann nickt sie. Kälin wirkt erleichtert.
Auf dem Weg zurück ins Büro schüttelt Reto den Kopf. „Du weisst, dass das zwei Monate Verzögerung bedeutet? Die Gegner werden sagen, wir hätten etwas zu verbergen.“ – „Das werden sie ohnehin sagen“, antwortet Elif. „Aber eine Studie, die sich nicht überprüfen lässt, ist wertlos. Eine überprüfte Studie hingegen ist kaum angreifbar.“ Sie ahnt nicht, wie bald ihr diese Überzeugung öffentlich abverlangt werden wird.