Im Februar liegt die überprüfte Studie vor, und die Zahlen haben sich nur leicht verändert. Trotzdem titelt eine grosse Sonntagszeitung: „Bundesamt vertuschte Mängel in Gutachten“. Am Montagmorgen klingelt Elifs Telefon unablässig. Die Kommunikationsabteilung rät ihr, sich zu stellen: Am Abend soll sie live in einer Radiosendung auftreten, gemeinsam mit Nationalrat Bruno Zaugg, einem der schärfsten Gegner der Abgabe.
Im Studio ist es kühler, als sie erwartet hat. Die Moderatorin, Lea Wyss, kommt ohne Umschweife zur Sache. „Frau Demir, haben Sie die Öffentlichkeit getäuscht?“ Elif atmet tief durch. „Nein. Wir haben nicht nur die Schwäche selbst entdeckt, sondern sie auch offengelegt und die Daten unabhängig überprüfen lassen. Das ist kein Vertuschen, das ist wissenschaftliche Sorgfalt.“
Zaugg lässt sie kaum ausreden. „Je länger dieses Amt an der Studie herumbastelt, desto weniger glaubt ihr die Bevölkerung. Entweder die Zahlen stimmen, oder sie stimmen nicht.“ Elif bleibt ruhig. „Zahlen stimmen nie absolut, Herr Zaugg. Sie sind zwar mit Unsicherheiten behaftet, aber sie zeigen eine klare Richtung. Und diese Richtung hat sich durch die Überprüfung nicht verändert, sondern bestätigt.“
Dann folgt die Frage, vor der sie sich gefürchtet hat. „Sie stammen aus der Logistikbranche“, sagt Wyss. „Sind Sie nicht befangen?“ Elif zögert einen Moment zu lang. „Ich habe sowohl für ein Logistikunternehmen als auch für eine Stadtverwaltung gearbeitet“, antwortet sie. „Gerade das erlaubt mir, beide Seiten zu verstehen. Meine Aufgabe ist es weder, der Branche zu schaden, noch, sie zu schonen, sondern eine Lösung zu finden, die für das Land funktioniert.“
Nach der Sendung reicht Zaugg ihr überraschend die Hand. „Gut pariert“, murmelt er. „Aber warten Sie ab, was diese Woche noch kommt.“ Im Taxi zurück zum Bahnhof liest Elif die Kommentare in den sozialen Medien. Die einen loben ihre Gelassenheit, die anderen werfen ihr Arroganz vor. Dann vibriert ihr Handy. Eine Nachricht von Reto: „Ruf mich sofort an. Es geht um Rheinlog.“