Wenn Fakten nicht genügen

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Wenn Fakten nicht genügen

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Wissenschaftskommunikation391 kelime~4 dk5 soru

Lange Zeit beruhte die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an die Öffentlichkeit auf einer einfachen Annahme: Misstrauen gegenüber der Wissenschaft sei im Wesentlichen eine Folge mangelnden Wissens, und folglich lasse es sich durch mehr und bessere Information beheben. In der Forschung wird dieses Modell als «Defizitmodell» bezeichnet. Es hat die Arbeit von Hochschulkommunikation, Museen und Wissenschaftsjournalismus über Jahrzehnte geprägt – und gilt inzwischen als weitgehend widerlegt.

Zahlreiche Studien aus der Kommunikationswissenschaft und der Sozialpsychologie zeigen, dass die Bereitschaft, wissenschaftliche Befunde zu akzeptieren, nur schwach mit dem Bildungsniveau korreliert. Bei politisch aufgeladenen Themen wie Impfungen, Gentechnik oder Klimawandel ist zuweilen sogar das Gegenteil zu beobachten: Gerade Menschen mit hoher formaler Bildung nutzen ihre Fähigkeiten, um Argumente zu finden, die ihre bestehenden Überzeugungen stützen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von «motiviertem Denken». Ob jemand eine Information für glaubwürdig hält, hängt demnach weniger von deren Qualität ab als davon, ob sie mit der eigenen Identität und den Werten der Bezugsgruppe vereinbar ist.

Für die Wissenschaftskommunikation hat dieser Befund weitreichende Konsequenzen. Wenn Fakten allein nicht überzeugen, rückt die Frage in den Vordergrund, wer kommuniziert und auf welche Weise. Untersuchungen legen nahe, dass Vertrauen vor allem dann entsteht, wenn Forschende als kompetent, integer und wohlwollend wahrgenommen werden. Wohlwollen wiederum lässt sich nicht durch noch so präzise Grafiken vermitteln, sondern erwächst aus dem Eindruck, dass die eigenen Sorgen ernst genommen werden. Dialogformate, in denen Bürgerinnen und Bürger ihre Fragen einbringen und mitdiskutieren können, schneiden in Evaluationen deshalb meist besser ab als reine Informationsveranstaltungen.

Eine besondere Herausforderung stellt der Umgang mit Unsicherheit dar. Die Pandemie hat vor Augen geführt, wie schwer es der Öffentlichkeit fällt, mit sich wandelnden Empfehlungen umzugehen. Was aus wissenschaftlicher Sicht ein normaler Erkenntnisprozess ist, wurde von vielen als Widersprüchlichkeit oder gar als Beleg für Inkompetenz gedeutet. Kommunikationsforscherinnen plädieren daher dafür, Unsicherheiten von Beginn an offen zu benennen, statt Gewissheit zu suggerieren. Kurzfristig mag dies weniger überzeugend wirken, langfristig schützt es jedoch die Glaubwürdigkeit, wenn sich der Kenntnisstand ändert.

Nicht zuletzt verlangt eine zeitgemässe Wissenschaftskommunikation von den Hochschulen selbst ein Umdenken. Solange Öffentlichkeitsarbeit in den Karrieresystemen kaum honoriert wird und vorwiegend als Aufgabe von Pressestellen gilt, fehlt vielen Forschenden der Anreiz, sich in den gesellschaftlichen Dialog einzubringen. Einige Schweizer Universitäten haben begonnen, entsprechende Leistungen bei Berufungen zu berücksichtigen und Weiterbildungen anzubieten. Ob diese Ansätze ausreichen, um das tief verankerte Selbstverständnis der Wissenschaft zu verändern, bleibt allerdings abzuwarten.

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