Rezension: Ausstellung «Schmelzpunkt» im Alpinen Museum

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Rezension: Ausstellung «Schmelzpunkt» im Alpinen Museum

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Tourismus und Klimawandel401 kelime~4 dk5 soru

Wer erwartet, im Alpinen Museum in Bern eine nostalgische Schau über Bergsteigerlegenden und Gipfelkreuze vorzufinden, wird von der neuen Ausstellung «Schmelzpunkt» gründlich überrascht. Statt historischer Seilschaften und Steigeisen empfangen die Besucherinnen und Besucher im ersten Saal leere Skilifte, fotografiert in Talstationen, die seit Jahren keinen Betrieb mehr gesehen haben. Die Botschaft ist unmissverständlich: Der alpine Tourismus, wie er über Generationen hinweg funktioniert hat, steht an einem Wendepunkt. Dass ausgerechnet ein Museum, das lange als Hort alpiner Heldenverehrung galt, diesen Perspektivenwechsel vollzieht, verleiht der Schau zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Die Kuratorinnen haben sich dafür entschieden, das Thema nicht primär über Statistiken zu erzählen, sondern über Menschen. In einer Reihe eindrücklicher Videoporträts kommen eine Hotelière aus dem Wallis, ein Bergführer aus dem Berner Oberland und eine Gemeindepräsidentin aus Graubünden zu Wort, die schildern, wie der schwindende Schnee ihren Alltag verändert. Die Gespräche sind bewusst ungeschnitten und lassen Widersprüche stehen. Gerade darin liegt ihre Stärke: Man spürt die Verunsicherung einer Branche, die zwischen dem Festhalten am Bewährten und der Suche nach neuen Wegen schwankt.

Besonders gelungen ist der mittlere Teil der Ausstellung, der sich den Anpassungsstrategien widmet. Anhand konkreter Beispiele wird gezeigt, wie Orte versuchen, sich vom Wintersport unabhängiger zu machen – durch Ganzjahresangebote, Wandertourismus oder kulturelle Veranstaltungen. Dabei verzichtet die Schau wohltuend darauf, diese Projekte als Erfolgsgeschichten zu verklären. Ein interaktiver Raum, in dem die Besuchenden selbst über die Zukunft eines fiktiven Bergdorfs entscheiden müssen, macht anschaulich, wie schwierig solche Abwägungen sind, wenn Arbeitsplätze, Landschaftsschutz und Gemeindefinanzen gegeneinander stehen.

Weniger überzeugend wirkt hingegen die Inszenierung im letzten Saal. Eine monumentale Installation aus schmelzenden Eisblöcken, die das Verschwinden der Gletscher symbolisieren soll, gerät allzu plakativ und wiederholt eine Bildsprache, die man aus unzähligen Medienberichten kennt. Nach der differenzierten Auseinandersetzung der vorangehenden Räume hätte man sich einen Abschluss gewünscht, der stärker zum Weiterdenken anregt, statt auf emotionale Überwältigung zu setzen. Zudem bleibt die Frage, welche Verantwortung den Besuchenden selbst zukommt, etwa bei der Wahl ihrer Reiseziele und Verkehrsmittel, auffallend unterbelichtet.

Trotz dieser Schwächen ist «Schmelzpunkt» eine sehenswerte Ausstellung, die ein drängendes Thema ohne erhobenen Zeigefinger behandelt. Sie richtet sich an ein breites Publikum, eignet sich dank des interaktiven Teils auch für Schulklassen und bietet genug Stoff für anregende Diskussionen. Wer die Alpen nicht nur als Postkartenidylle, sondern als Lebens- und Wirtschaftsraum im Umbruch verstehen möchte, sollte sich die Schau nicht entgehen lassen. Sie ist noch bis Ende März zu sehen; ein Begleitprogramm mit Podiumsgesprächen ergänzt die Ausstellung.

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