Lärm wird als Umweltproblem häufig unterschätzt. Anders als verschmutzte Luft oder verunreinigtes Wasser ist er unsichtbar und hinterlässt keine sichtbaren Spuren, weshalb sich viele Menschen mit ihm abfinden, als handle es sich um eine unvermeidliche Begleiterscheinung des städtischen Lebens. Dennoch zählt er nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation zu den grössten umweltbedingten Gesundheitsrisiken in Europa. In der Schweiz ist gemäss Bundesamt für Umwelt tagsüber rund jede siebte Person an ihrem Wohnort schädlichem oder lästigem Strassenverkehrslärm ausgesetzt.
Wie Lärm krank macht, haben Forschende in den letzten Jahren genauer untersucht. Eine vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel durchgeführte Studie zeigt, dass nächtlicher Verkehrslärm das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Entscheidend ist dabei nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Häufigkeit einzelner Lärmereignisse. Selbst wenn Betroffene nicht aufwachen, reagiert der Körper mit der Ausschüttung von Stresshormonen. Der Blutdruck steigt, und der Schlaf wird weniger erholsam. Wer über Jahre hinweg einer solchen Belastung ausgesetzt ist, leidet zudem häufiger an Konzentrationsstörungen.
Besonders betroffen sind Menschen, die an stark befahrenen Strassen wohnen. Da dort die Mieten meist tiefer sind, trifft die Belastung überdurchschnittlich oft Haushalte mit geringem Einkommen. Fachleute sprechen deshalb auch von einer Frage der Umweltgerechtigkeit.
Zu den wirksamsten Massnahmen gehören Temporeduktionen. Wird die Geschwindigkeit innerorts von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde gesenkt, nimmt der wahrgenommene Lärm deutlich ab. Auch lärmarme Strassenbeläge und leisere Reifen können einen Beitrag leisten. Lärmschutzwände hingegen sind in dicht bebauten Innenstädten kaum umsetzbar.
Tempo-30-Zonen auf Hauptstrassen sind politisch allerdings umstritten, da sie den Verkehrsfluss verlangsamen. Forschende weisen darauf hin, dass die gesundheitlichen Kosten des Lärms bei solchen Abwägungen bislang zu wenig berücksichtigt würden.