Wenn in der kleinen Thurgauer Gemeinde der Alarm auf dem Handy losgeht, lässt Luca Brunner alles stehen und liegen. Tagsüber arbeitet der 29-Jährige als Elektroinstallateur, abends trainiert er Fussballjunioren – und seit acht Jahren ist er Mitglied der Feuerwehr. Bezahlt wird er dafür kaum: Pro Einsatzstunde erhält er eine bescheidene Entschädigung, die Übungsabende sind grösstenteils unentgeltlich.
Wie Brunner leisten in der Schweiz rund 80 000 Personen Feuerwehrdienst, die allermeisten davon im Milizsystem. Nur in grösseren Städten gibt es Berufsfeuerwehren. Ohne die freiwilligen Kräfte könnten Brände, Überschwemmungen oder Verkehrsunfälle in ländlichen Regionen gar nicht rechtzeitig bewältigt werden. «Wir sind oft innert zehn Minuten vor Ort, weil wir hier wohnen und arbeiten», erklärt Brunner.
Doch der Nachwuchs wird knapper. Viele Menschen pendeln heute zur Arbeit in die nächste Stadt und sind tagsüber nicht in der Gemeinde. Gerade bei Einsätzen am Vormittag sei es deshalb zunehmend schwierig, genügend Leute zusammenzubringen. Brunners Arbeitgeber zeigt Verständnis und lässt ihn bei einem Alarm gehen. «Das ist leider nicht selbstverständlich», sagt er. Kleinere Betriebe könnten es sich oft nicht leisten, dass ein Mitarbeiter mitten in einem Auftrag verschwindet.
Einige Kantone haben reagiert. Mehrere Gemeindefeuerwehren wurden zu regionalen Organisationen zusammengeschlossen, und mit gezielten Kampagnen werden vermehrt Frauen angesprochen, die bisher stark untervertreten sind. Auch Personen ohne Schweizer Pass können vielerorts Dienst leisten.
Was motiviert Luca Brunner, trotz aller Belastung weiterzumachen? Er muss nicht lange überlegen. «Die Kameradschaft ist einmalig. Und wenn man einer Familie helfen konnte, deren Keller unter Wasser stand, weiss man, wofür man die vielen Abende investiert hat.»