Wer in einer Schweizer Apotheke ein Rezept einlöst, hört in letzter Zeit häufiger den Satz: «Dieses Präparat ist momentan leider nicht lieferbar.» Betroffen sind nicht etwa seltene Spezialmedikamente, sondern oft günstige und seit Jahrzehnten bewährte Wirkstoffe – Antibiotika, Schmerzmittel oder Blutdrucksenker. Auf der Liste des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung stehen zeitweise mehrere hundert Produkte.
Die Ursachen sind vielschichtig. Ein Grossteil der Wirkstoffe wird heute in wenigen Fabriken in China und Indien hergestellt. Fällt dort eine Produktionsanlage aus oder kommt es zu Transportproblemen, sind weltweit Lieferketten unterbrochen. Hinzu kommt, dass sich die Herstellung von Generika wegen des starken Preisdrucks kaum noch lohnt. Für einen verhältnismässig kleinen Markt wie die Schweiz, der zudem eigene Zulassungen verlangt, nehmen manche Hersteller Produkte deshalb ganz aus dem Sortiment.
Für Apothekerinnen und Apotheker bedeutet das zusätzlichen, meist unbezahlten Aufwand. Sie müssen Ersatzpräparate suchen, mit Ärztinnen und Ärzten Rücksprache halten und Patientinnen und Patienten beruhigen. In manchen Fällen werden Medikamente sogar in der Apotheke selbst hergestellt. Für chronisch Kranke kann ein Wechsel des Präparats allerdings mit Nebenwirkungen verbunden sein.
Der Bund hat reagiert: Für bestimmte lebenswichtige Medikamente wie Antibiotika oder Insulin müssen Pflichtlager angelegt werden, und die Zulassung von Arzneimitteln, die in der EU bereits geprüft wurden, soll vereinfacht werden. Fachleute aus Medizin und Pharmazie halten diese Schritte zwar für richtig, aber für ungenügend.
Langfristig, so ihre Forderung, müsse die Produktion wichtiger Wirkstoffe wieder vermehrt nach Europa zurückgeholt werden. Das sei allerdings nur möglich, wenn Staaten bereit seien, dafür höhere Preise zu bezahlen. Versorgungssicherheit, so heisst es, habe eben ihren Preis.