Vier Tage arbeiten, drei Tage frei – und das bei gleichem Lohn. Was vor wenigen Jahren noch utopisch klang, wird heute in zahlreichen Unternehmen erprobt. Auch in der Schweiz haben mehrere Firmen, von Softwareentwicklern bis zu Handwerksbetrieben, an Pilotprojekten teilgenommen, die von Forschenden wissenschaftlich begleitet wurden. Die Frage ist, ob das Modell hält, was es verspricht.
Die Befürworterinnen und Befürworter verweisen auf ermutigende Ergebnisse. In vielen Betrieben sei die Produktivität trotz kürzerer Arbeitszeit stabil geblieben, weil unnötige Sitzungen gestrichen und Abläufe gestrafft worden seien. Die Mitarbeitenden berichten von weniger Stress und mehr Zeit für Familie und Erholung. Zudem, so das Argument, könne ein solches Angebot im Wettbewerb um knappe Fachkräfte den Ausschlag geben.
Die Gegnerinnen und Gegner halten diese Rechnung für zu optimistisch. Zwar lasse sich Büroarbeit verdichten, doch in der Pflege, im Detailhandel oder in der Gastronomie müsse die Arbeit schlicht erledigt werden, solange Kundschaft oder Patienten da seien. Dort bedeute ein freier Tag mehr zusätzliches Personal – und damit höhere Kosten. Der Arbeitgeberverband warnt ausserdem, dass die verdichtete Arbeit an vier Tagen neue Belastungen erzeugen könne, etwa wenn an den verbleibenden Arbeitstagen deutlich längere Schichten geleistet werden müssen.
Hinzu kommt ein grundsätzlicher Einwand: Die Schweiz leidet bereits heute unter Fachkräftemangel. Würden alle Beschäftigten zwanzig Prozent weniger arbeiten, fehlten der Wirtschaft noch mehr Arbeitsstunden.
Vieles spricht dafür, dass es keine Einheitslösung geben wird. Für wissensbasierte Branchen kann die Viertagewoche durchaus sinnvoll sein, für personalintensive Dienstleistungen dagegen kaum. Statt einer gesetzlichen Vorschrift dürften deshalb eher individuelle Vereinbarungen zwischen Betrieben und Mitarbeitenden die Zukunft prägen.