Als vor wenigen Jahren die ersten frei zugänglichen Textgeneratoren auf den Markt kamen, reagierten viele Schulen zunächst mit Verboten. Inzwischen hat sich die Haltung spürbar gewandelt. In mehreren Kantonen werden Lehrpersonen gezielt weitergebildet, und an einer Sekundarschule im Kanton Aargau gehört der Umgang mit KI-Werkzeugen bereits zum regulären Unterricht.
Die zuständige Lehrerin, Sandra Keller, sieht darin keine Kapitulation vor der Technik. «Die Jugendlichen nutzen diese Programme ohnehin», sagt sie. «Die Frage ist nur, ob sie dabei lernen, die Ergebnisse kritisch zu prüfen.» In ihren Lektionen lassen die Schülerinnen und Schüler einen Aufsatz von der Software schreiben und suchen anschliessend nach sachlichen Fehlern und schwachen Argumenten. Erstaunlich oft, so Keller, entdeckten die Jugendlichen dabei erfundene Quellen oder Zahlen, die auf den ersten Blick durchaus glaubwürdig wirkten.
Nicht alle teilen diese Begeisterung. Der kantonale Lehrerverband warnt, dass grundlegende Fähigkeiten wie das selbstständige Formulieren verkümmern könnten, wenn Aufgaben allzu leicht ausgelagert werden können. Zudem müsse geklärt werden, wie mit den von den Anbietern gesammelten Daten minderjähriger Nutzerinnen und Nutzer umzugehen sei.
Auch die Prüfungskultur gerät unter Druck. Hausaufsätze, die zu Hause geschrieben und benotet werden, verlieren an Aussagekraft, weil sich kaum nachweisen lässt, wer den Text tatsächlich verfasst hat. Einige Gymnasien setzen deshalb vermehrt auf mündliche Prüfungen oder lassen Texte im Klassenzimmer von Hand schreiben.
Bildungsforschende der Pädagogischen Hochschule Zürich betonen, dass die Technik weder Wundermittel noch Bedrohung sei. Entscheidend sei, ob die Schulen klare Regeln aufstellten und die Lehrpersonen die nötige Zeit für neue Unterrichtsformen erhielten. Je besser Jugendliche verstünden, wie solche Systeme funktionieren, desto weniger würden sie ihnen blind vertrauen.