Noch vor zehn Jahren wurde in der Schweiz an der Ladenkasse mehrheitlich mit Münzen und Noten bezahlt. Heute zücken viele Kundinnen und Kunden stattdessen die Karte oder das Smartphone. Gemäss einer Erhebung der Schweizerischen Nationalbank wird inzwischen nur noch rund ein Drittel der alltäglichen Einkäufe bar beglichen. Ist das Bargeld also ein Auslaufmodell?
Für den Handel hat die Entwicklung durchaus Vorteile. Bargeld muss gezählt, sicher aufbewahrt und zur Bank transportiert werden, was Zeit und Geld kostet. Viele Menschen empfinden bargeldloses Bezahlen zudem als bequemer und hygienischer – ein Eindruck, der sich während der Pandemie noch verstärkt hat. Einige Cafés und Parkhäuser akzeptieren deshalb bereits ausschliesslich Karten oder Apps.
Genau hier setzt jedoch die Kritik an. Ältere Menschen, die mit digitalen Zahlungsmitteln wenig vertraut sind, werden dadurch ausgeschlossen. Ausserdem hinterlässt jede Kartenzahlung eine Datenspur, aus der sich nachvollziehen lässt, wer wann wo was gekauft hat. Bargeld hingegen ermöglicht ein Stück Anonymität. Und nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass bei einem Stromausfall oder einem Cyberangriff elektronische Zahlungssysteme versagen können.
Wie sehr das Thema die Bevölkerung bewegt, zeigt die politische Debatte. Eine Volksinitiative verlangt, dass die Versorgung mit Bargeld in der Bundesverfassung verankert wird. Der Bundesrat teilt das Anliegen grundsätzlich, hat aber einen eigenen Gegenentwurf vorgelegt, der weniger weit geht.
Ein Verschwinden des Bargelds ist in absehbarer Zeit ohnehin nicht zu erwarten. Die Nationalbank betont, sie werde Noten und Münzen so lange zur Verfügung stellen, wie die Bevölkerung dies wünsche. Sicher scheint allerdings: Je weniger bar bezahlt wird, desto teurer wird es, das dafür nötige Netz aus Bankomaten und Filialen aufrechtzuerhalten.