Die Schweiz gilt oft als Musterbeispiel für ein funktionierendes mehrsprachiges Land. Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sind Landessprachen, wobei Rätoromanisch nur von rund einem halben Prozent der Bevölkerung als Hauptsprache angegeben wird.
Im Alltag ist die Mehrsprachigkeit allerdings weniger ausgeprägt, als man vermuten könnte. Die meisten Menschen leben in einem einsprachigen Gebiet und verwenden die anderen Landessprachen selten. Wenn sich Deutschschweizer und Romands begegnen, weichen sie nicht selten auf Englisch aus – eine Entwicklung, die in der Politik regelmässig für Diskussionen sorgt.
Eine Besonderheit der Deutschschweiz ist die sogenannte Diglossie: Geschrieben wird überwiegend Hochdeutsch, gesprochen wird dagegen fast immer Dialekt – im Büro ebenso wie in vielen Kantonsparlamenten. Für Zugewanderte bedeutet das eine doppelte Herausforderung. Sie lernen im Kurs Hochdeutsch, stellen dann aber fest, dass sie ihre Nachbarn kaum verstehen.
Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler raten dennoch davon ab, gleich mit dem Dialekt zu beginnen. Wer solide Hochdeutschkenntnisse besitze, gewöhne sich erfahrungsgemäss nach einigen Monaten an den gesprochenen Dialekt. Umgekehrt sei der Weg deutlich schwieriger, da es für die Dialekte keine einheitliche Schreibweise gebe.