Die Schweizer Gletscher schmelzen schneller als je zuvor seit Beginn der Messungen. Nach Angaben des Gletschermessnetzes Glamos haben sie allein in den Jahren 2022 und 2023 rund zehn Prozent ihres Volumens verloren. Glaziologinnen und Glaziologen der ETH Zürich gehen davon aus, dass bis Ende des Jahrhunderts ein Grossteil des Eises verschwunden sein wird – selbst wenn die internationalen Klimaziele erreicht werden.
Für die Bergregionen hat diese Entwicklung weitreichende Folgen. Viele Ferienorte leben seit Generationen vom Bild der weissen Gipfel. Wo einst Gletscherzungen bis ins Tal reichten, liegen heute Geröllfelder. Zugleich nimmt die Gefahr von Felsstürzen und Murgängen zu, weil der auftauende Permafrost den Untergrund instabil macht. Einzelne Wanderwege und Hütten mussten bereits gesperrt oder verlegt werden, und manche Bergbahnen müssen ihre Pisten auf dem schwindenden Eis jedes Jahr mit grossem Aufwand neu präparieren.
Paradoxerweise zieht gerade der Verlust Besucherinnen und Besucher an. Fachleute sprechen von «Last-Chance-Tourismus»: Menschen reisen gezielt an, um einen Gletscher noch zu sehen, bevor er verschwindet. Kritiker halten dies für widersprüchlich, da die Anreise – oft mit dem Auto oder dem Flugzeug – den Klimawandel weiter antreibt.
Manche Gemeinden versuchen, sich neu zu positionieren. Statt ausschliesslich auf Wintersport zu setzen, fördern sie Sommerangebote, Kulturveranstaltungen oder Lehrpfade, auf denen der Wandel der Landschaft erklärt wird. Die Umstellung ist allerdings mit erheblichen Investitionen verbunden, die für kleine Orte kaum zu stemmen sind.
Tourismusforschende betonen, dass Anpassung allein nicht genüge. Je entschlossener der Ausstoss von Treibhausgasen reduziert werde, desto mehr Eis könne zumindest in den höchsten Lagen erhalten bleiben. Für die Alpen stehe damit nicht weniger als ihre Identität auf dem Spiel.