Als Derya Aksoy vor zwölf Jahren aus Izmir nach Basel zog, sprach sie kein Wort Deutsch. Heute leitet die 38-Jährige das Kundendienstteam eines Logistikunternehmens und wechselt im Laufe eines Arbeitstages mühelos zwischen Deutsch, Englisch, Türkisch und Französisch – je nachdem, ob gerade ein Lieferant aus Istanbul oder ein Kunde aus Lausanne anruft. «Meine Sprachen waren bei der Bewerbung mein wichtigstes Argument», sagt sie.
Ihr Weg war allerdings alles andere als geradlinig. Ihr in der Türkei erworbenes Betriebswirtschaftsdiplom wurde zunächst nicht anerkannt, und auf ihre ersten Bewerbungen erhielt sie fast ausschliesslich Absagen. «Ich hatte das Gefühl, dass man meinen Namen las und das Dossier gleich zur Seite legte.» Erst als sie in ihrem Lebenslauf die Sprachkenntnisse an den Anfang stellte und mit Zertifikaten belegte, wurde sie zu Gesprächen eingeladen.
Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass Mehrsprachigkeit der Schweizer Wirtschaft einen erheblichen Mehrwert bringt. Gemäss einer Studie der Universität Genf lassen sich rund zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts auf die Sprachkompetenzen der Bevölkerung zurückführen. Gefragt sind dabei nicht nur die Landessprachen und Englisch, sondern zunehmend auch sogenannte Herkunftssprachen, etwa im Handel mit der Türkei oder in der Betreuung von Patientinnen und Patienten.
Dennoch werden diese Kompetenzen in Bewerbungsverfahren oft nicht erkannt. Nicht selten werden sie im Lebenslauf nur in einer kurzen Zeile am Ende erwähnt. Personalfachleute raten deshalb, Sprachkenntnisse konkret zu beschreiben: Statt «Türkisch: Muttersprache» solle man angeben, in welchen Situationen man die Sprache bereits beruflich eingesetzt habe.
Derya Aksoy gibt anderen Zugewanderten einen weiteren Rat: «Versteckt eure Muttersprache nicht. Sie ist kein Defizit, sondern eine Qualifikation – aber nur, wenn ihr gleichzeitig die Sprache hier gut beherrscht.»