In vielen Häusern ist der Keller der Ort, an dem Dinge verschwinden. Bei Familie Imhof standen dort seit dem Umzug elf Kisten, die niemand mehr geöffnet hatte.
Im Frühling kam ein Brief: Der Keller muss geräumt werden, weil die Leitungen erneuert werden. Innerhalb von drei Wochen, sonst räumt die Verwaltung auf Kosten der Mieter.
Der erste Abend war schwierig. In den Kisten lagen Schulhefte, Briefe, Spielsachen und Werkzeug ohne Schrauben. Fast alles war mit einer Erinnerung verbunden, und fast nichts war nützlich.
Die Familie hat sich eine Regel gegeben: Jeder darf eine Kiste behalten, ohne eine Erklärung. Alles andere wird einzeln entschieden – brauchen, verschenken, verkaufen oder entsorgen.
Übrig geblieben sind vier Kisten. Zwei Säcke gingen in die Brockenstube, ein Velo an die Nachbarin. Herr Imhof sagt, der Keller sei heute nicht nur leerer, sondern auch ehrlicher.