Wer in der Schweiz die Verfassung ändern will, braucht hunderttausend Unterschriften innerhalb von achtzehn Monaten. Danach stimmen alle darüber ab. Das nennt man Volksinitiative.
Ein Verein aus einer kleinen Stadt wollte, dass jedes Schulkind ein warmes Mittagessen bekommt. Zuerst haben zwölf Personen an einem Küchentisch den Text geschrieben – mehrmals, weil er juristisch klar sein muss.
Dann kam die Arbeit auf der Strasse. Sechs Monate an Märkten und vor Bahnhöfen, bei Regen und Wind. Viele Leute gehen vorbei, manche diskutieren zwanzig Minuten, und am Abend zählt man die Bogen.
Nach vierzehn Monaten hatten sie die Unterschriften. In der Abstimmung wurde die Initiative abgelehnt, mit dreiundvierzig Prozent Ja-Stimmen.
Trotzdem war es kein Misserfolg. Während der Diskussion haben vier Kantone selber Programme gestartet, und das Thema war monatelang in den Zeitungen. Eine Mitinitiantin sagt: „Verloren haben wir die Abstimmung, nicht das Thema.“