Es beginnt selten mit einem grossen Betrag. Bei Frau Kramer war es eine unbezahlte Zahnarztrechnung, dann eine Mahnung mit Kosten, dann eine Krankenkassenprämie, die sie geschoben hat.
Nach einem Jahr waren es viertausend Franken, dazu Gebühren und Betreibungen. Am schlimmsten waren nicht die Zahlen, sondern die Post. Sie hat Briefe nicht mehr geöffnet.
Eine Kollegin hat ihr von einer Schuldenberatung erzählt. Die Beratung ist in den meisten Kantonen kostenlos, und die Beraterin hat als Erstes alle Briefe zusammen mit ihr geöffnet.
Danach kam ein Plan: Welche Schuld hat Vorrang, wo kann man Raten vereinbaren, welche Gebühr ist gar nicht rechtmässig. Zwei Gläubiger haben Ratenzahlungen akzeptiert, einer hat auf einen Teil verzichtet.
Nach zwei Jahren ist Frau Kramer schuldenfrei. Sie sagt, sie habe vor allem eines gelernt: Der teuerste Tag sei der, an dem man einen Brief nicht öffnet.