Als Emre fünfzehn war, wussten seine Eltern nicht genau, wie das Schweizer Schulsystem funktioniert. In der Türkei hatten fast alle ihre Verwandten das Gymnasium besucht und danach studiert. Deshalb waren sie überrascht, als die Lehrerin ihnen eine Lehre für Emre empfahl.
In der Schweiz entscheiden sich etwa zwei Drittel der Jugendlichen nach der obligatorischen Schule für eine Berufslehre. Die Lernenden arbeiten drei oder vier Tage pro Woche in einem Betrieb und besuchen an den anderen Tagen die Berufsschule. So lernen sie die Theorie und die Praxis gleichzeitig. Sie verdienen schon einen kleinen Lohn, der jedes Jahr etwas steigt.
Emre machte zuerst mehrere Schnupperlehren, bis er wusste, was ihm gefällt. Schliesslich begann er eine Lehre als Elektroinstallateur. Am Anfang war es hart, früh aufzustehen und den ganzen Tag auf Baustellen zu arbeiten. Doch er merkte bald, dass ihm praktische Arbeit mehr Freude macht als stundenlanges Sitzen im Klassenzimmer.
Heute ist Emre 24 Jahre alt. Nach der Lehre hat er die Berufsmaturität gemacht und studiert jetzt Elektrotechnik an einer Fachhochschule. Seine Eltern sind stolz auf ihn. „Wir haben gelernt, dass eine Lehre keine Sackgasse ist“, sagt sein Vater. „Im Gegenteil: Viele Wege stehen danach noch offen.“