Frau Kuster pendelt täglich zwei Stunden. Früher hat sie diese Zeit als Verlust gesehen: zu laut zum Lesen, zu unruhig zum Arbeiten, zu lang zum Nichtstun.
Heute hört sie Podcasts. Angefangen hat sie mit einem auf einfachem Deutsch, weil sie die Sprache noch lernt und beim Lesen schneller ist als beim Hören.
Der Trick war, dasselbe zweimal zu hören. Beim ersten Mal versteht sie die Hälfte, beim zweiten fast alles. Notiert hat sie nichts – im Zug schreiben mache keine Freude, sagt sie.
Nach einem Jahr hört sie Sendungen für Muttersprachler, meistens über Geschichte. Ihr Mann findet das langweilig und hört Fussball, was für sie dasselbe Wunder ist, nur umgekehrt.
Frau Kuster rechnet nüchtern: zwei Stunden mal fünf Tage, also vierzig Stunden im Monat. „Das ist mehr Deutsch, als jeder Abendkurs mir geben könnte – und es kostet nichts.“