In kleineren Gemeinden entscheidet nicht ein Parlament, sondern die Versammlung aller Stimmberechtigten. Zweimal im Jahr treffen sich die Leute in der Turnhalle und heben die Hand.
In der Gemeinde von Herrn Zemp leben dreitausend Personen. An die Versammlung kommen meistens hundertzwanzig. Wer kommt, entscheidet über das Budget, über Bauprojekte und über Beiträge an Vereine.
Letztes Jahr ging es um eine neue Turnhalle für vier Millionen Franken. Der Saal war voll, zweihundertvierzig Personen. Die Diskussion hat zwei Stunden gedauert, und am Ende war das Resultat fünf Stimmen Unterschied.
Herr Zemp war zum ersten Mal dabei. Am meisten hat ihn überrascht, dass ein Landwirt und eine Lehrerin nacheinander sprachen und beide zugehört haben.
Er geht jetzt regelmässig. Er sagt, das System sei langsam und manchmal auch mühsam. „Aber ich habe noch nie so genau verstanden, wohin meine Steuern gehen.“