Seit einem halben Jahr arbeite ich samstags im Fundbüro. Es liegt im alten Gebäude gegenüber dem Bahnhof, in einer ruhigen Gegend am Stadtrand. Die Öffnungszeiten sind fix, und nicht jeder ist für diese Arbeit geeignet, weil man sehr viel Geduld braucht.
Auf jedem Gegenstand muss ein Zettel festkleben, sonst findet ihn niemand wieder. In den Regalen liegen ein Föhn, drei Fernbedienungen und eine kleine Figur aus Holz, die jemand sorgfältig in eine Folie gewickelt hat. In einer Geldbörse steckte nur noch ein Fünfer. Feuerzeuge und Messer dürfen wir nicht aufbewahren, weil sie gefährlich sind.
Letzten Samstag kam ein Gast aus Genf herein, der fliessend Deutsch sprach. Er hatte seine Tasche im Zug vergessen und war furchtbar frustriert, weil seine Medikamente darin lagen. Die Tasche wurde bei uns nie abgegeben, und sein Frust wurde immer grösser.
«Wollt ihr die Sachen etwa geheim halten?», fragte er ziemlich frech. Das hat mir natürlich nicht gefallen, trotzdem blieb ich fröhlich und erklärte ihm, dass unser Gebiet nur bis zur Kantonsgrenze reicht. Seit gestern soll ein neues System feststehen, damit Fundsachen schneller weitergeleitet werden.
Wer seinen Föhn verliert, sorgt sich höchstens um die Frisur. Wer aber seine Medikamente sucht, braucht schnell Hilfe. Deswegen finde ich: Ein Fundbüro sollte länger als drei Stunden geöffnet sein.