Meine Mitbewohnerin Lena kommt aus Zürich, ich bin in Wien aufgewachsen. Seit einem Jahr kochen wir jeden Freitag zusammen, und seitdem streiten wir über Wörter. Sie sagt Rüebli, ich sage Karotten. Ich sage Paradeiser, sie versteht nur Tomaten.
Letzten Freitag war ich mit dem Einkauf dran. Auf dem Markt habe ich regionale Ware gekauft: Pilze, eine reife Orange, Pflaumen für die Obstschale und ein Stück vom Rind. Alles zusammen hat knapp achtzehn Euro gekostet.
Zu Hause habe ich das Fleisch in dünne Scheiben geschnitten und in der Pfanne mit wenig Öl gebraten. Lena hat eine Sauce aus Quark und Zitronensaft gerührt, die zuerst viel zu sauer war. Mit etwas Salz und einer Prise scharfem Paprika wurde sie aber richtig gut.
Früher haben wir uns ganz anders ernährt. Unter der Woche gab es ein Sandwich am Schreibtisch, am Abend eine Pizza oder Pommes frites, die meistens zu salzig waren. Lena wollte immer ein Poulet aus dem Ofen, während ich keine Lust hatte, eine Stunde zu warten.
Am Ende des Abends waren wir satt, und der Tisch sah aus wie nach einem Fest. Lena hat ihr Glas gehoben und Prost gesagt, obwohl darin nur Apfelsaft war. Ich finde inzwischen, dass Kochen die günstigste Art ist, einen Freitagabend zu retten. Rohe Zwiebeln esse ich trotzdem nicht.