Seit zwölf Jahren leitet Robert Frey die Geschäftsführung eines kleinen Maschinenbetriebs in Winterthur. Am Freitag will er in Pension gehen. Im Konferenzraum stehen Kaffee und Kuchen, und ich sitze als Journalist dabei, weil meine Kollegin, die Journalistin Lea Meier, jahrelang über diese Firma geschrieben hat.
Frey war zuerst Ingenieur und für die Instandhaltung der alten Maschinen zuständig. «Wir mussten jeden Tag gewährleisten, dass keine Linie stillsteht. Diese Herausforderung hat mir gefallen», erzählt er. Seine Karriere hatte er nie geplant: Als Student musste er jobben, zuerst als Kellner, später in der Küche neben einer Köchin.
Der Geschäftsführer zeigt mir das Inserat, mit dem die Firma seine Stelle sucht. Drei Kandidaten sind noch im Rennen. «Das Gehalt ist gut, aber der Job ist härter, als viele denken», sagt er. Die Sekretärin muss die Unterlagen für jede Konferenz kopieren, und natürlich streikt der Kopierer genau heute.
Frey findet es lustig, dass die Leute in Deutschland sagen, sie würden in Rente gehen, während man hier von Pensionierung spricht. «Die Wörter sind mir egal», meint er. «Wichtig ist, dass man loslassen kann.» Seine Frau arbeitet noch halbtags in einer Schule, und sein Sohn ist Kommissar in Zürich.
Ich habe ihn gefragt, ob ihm die Firma fehlen wird. Er hat lange geschwiegen und dann gelacht: «Die Maschinen nicht. Die Leute schon.»