Liebe Sandra, seit einem halben Jahr wohnen wir nun an der Küste, und ich muss dir endlich schreiben, wie anders das Leben hier ist.
Unsere Tochter wollte schon lange ein Haustier. Eine Katze kam für mich nicht infrage, deshalb haben wir ihr ein Meerschweinchen geschenkt. Abends sitzt oft ein Hase im Garten, und auf der Wiese nebenan steht eine Kuh, die uns beim Frühstück zuschaut. Trotzdem malt Lina am liebsten Löwen und Krokodile.
Die Landschaft ist flach; nur hinter dem Dorf liegt ein kleiner Hügel, von dem man das Meer sieht. Im Sommer ist die Hitze gut auszuhalten, weil die Luft kühl vom Wasser kommt, und die Winter sind erstaunlich mild. Die Kälte im Januar hat mir weniger ausgemacht als der Nebel: Fast jeden Morgen ist es neblig, und die Wäsche draussen wird nie trocken, sondern bleibt nass.
Im Februar kam dann das Hochwasser. Der Himmel war drei Tage lang grau, und in der Nacht, als endlich der Mond schien, stand das Wasser bis zur Gartentür. In der Zeitung wurde von einer Katastrophe geschrieben, aber unsere Nachbarn holten nur die Pumpen und arbeiteten bis zum Morgen.
Seitdem habe ich mehr Respekt vor der Natur. Im Sommer ärgern mich die Mücken und manchmal eine Maus in der Küche, trotzdem würde ich nie mehr in die Stadt ziehen. Besuch uns bald! Deine Katrin