Letzten Herbst wollte ich nur mein Visum verlängern. Im Rathaus sagte mir die Frau am Schalter aber, dass auf meiner Urkunde ein Stempel fehlte und dass ich das Original aus Ankara nachreichen musste.
Zuerst wurden meine Personalien aufgenommen: Vorname, Geburtsdatum, Geschlecht weiblich, Personenstand ledig. Für die Beglaubigung zahlt man in unserer Gemeinde pauschal fünfzig Franken, egal wie viele Seiten es sind. Ich musste zwei Formulare unterschreiben, von denen ich eines nicht ganz verstand.
Auf dem Rückweg passierte dann das, was mir wirklich Angst machte. Ein Velofahrer fuhr mir ins Auto, und die Polizei kam. Eine junge Polizistin fragte nach der Vertragsnummer meiner Versicherung, und ihr Kollege, ein älterer Polizist, wollte wissen, ob mein Versicherungsschutz noch gültig war.
Er war es nicht. So eine Frist darf man nie versäumen, das weiss ich heute. Das war rechtlich ein Verstoss, denn das Gesetz kann jeden Halter dazu verpflichten, versichert zu fahren; ohne Deckung zu fahren ist schlicht untersagt.
Ich bin jetzt verpflichtet, dreihundert Franken Busse zu zahlen. Zu diskutieren habe ich lieber unterlassen, weil es nur teurer geworden wäre. Gegen solche Regeln zu verstossen lohnt sich nie, auch nicht aus Vergesslichkeit.
Am Ende war nur ein einziges Blatt Papier notwendig. Trotzdem verstehe ich jetzt besser, warum die Ämter so vieles vorschreiben. Wer keine gültigen Papiere hat, steht im Streitfall ganz allein da.