Im Februar wollte jemand in unser Stadtmuseum in Liestal einbrechen, und es gelang ihm auch. Der Einbrecher nahm zwei alte Masken für die Fasnacht mit und konnte zuerst fliehen. Für unsere kleine Stadt war das ein grosses Ereignis.
Zwei Tage später konnte die Polizei einen jungen Mann festnehmen. Er hatte auch Drogen dabei. Eine Zeitung schrieb ziemlich dramatisch von einem Angriff auf unsere Traditionen. Im Internet eskalieren solche Geschichten schnell: Weil der Mann einen fremden Namen hatte, ging es plötzlich um Einwanderung und um Flüchtlinge.
Mein Grossvater kam 1969 als Gastarbeiter aus Apulien in die Schweiz. Er sagt, dass er diese Entwicklung seit fünfzig Jahren kennt; nur die Wörter haben gewechselt. Er glaubt nicht, dass ein Pass Einfluss auf einen Diebstahl hat.
Ich sehe das ähnlich. Wer stiehlt, den darf ein Gericht einsperren, und dann sitzt er eben im Gefängnis. Aber niemand gehört dorthin, weil seine Eltern aus einem anderen Land kommen. Zwischen einem Europäer aus Basel und einer Europäerin aus Porto sehe ich keine grosse Distanz, denn europäische Städte leben seit Jahrhunderten von Fremden.
Zum Glück blieb die Fasnacht selbst friedlich. Im März haben die Vereine ein Quartierfest organisiert, um den Frieden zwischen den Nachbarn zu fördern. Diese Förderung kostet fast nichts, und am Abend haben viele gemerkt, wie viele Gemeinsamkeiten sie haben.