Seit zwei Jahren arbeite ich als freie Grafikerin in Basel. Am Anfang dachte ich, das Schwierigste wäre, überhaupt Kunden zu finden. Heute weiss ich: Das eigentliche Problem beginnt, wenn die Arbeit fertig ist.
Im März habe ich für ein kleines Hotel eine neue Karte und eine Webseite gestaltet. Die Besitzerin war begeistert, sie hat mich sogar weiterempfohlen. Die erste Zahlung kam nach sechs Wochen, die zweite gar nicht.
Ich habe zweimal freundlich erinnert und dann eine Mahnung geschickt. «Nächste Woche bestimmt», hiess es jedes Mal, und irgendwann ging niemand mehr ans Telefon. Nach drei Monaten habe ich einen Anwalt angerufen, obwohl mir das sehr unangenehm war. Zwei Tage später war das Geld auf dem Konto.
Seitdem mache ich es anders: Die Hälfte wird vor Beginn bezahlt, der Rest bei der Übergabe. Wer das nicht will, bekommt keinen Termin. Ein paar Kunden haben deswegen abgesagt, und einen davon fand ich richtig schade. Dafür schlafe ich seither viel besser.
Trotzdem bereue ich nichts. Für Selbständige ist die Zuverlässigkeit der Kunden wichtiger als ein grosser Auftrag, weil man Miete und Versicherungen jeden Monat bezahlen muss. Meine Mutter würde sagen: Freundlich bleiben, aber nicht naiv sein. Genau so mache ich es jetzt.