Meine Nachbarin hat mich kürzlich gefragt, ob sie mir für zwei Wochen ihren Hund leihen dürfte. Frau Berger musste nach Wien, und ihr lebhafter Terrier Rocco konnte nicht mitfliegen. Ich sagte zu, obwohl ich noch nie einen Hund gehabt hatte.
Am ersten Morgen zeigte das Thermometer minus sechs Grad. Ich zog meinen dicken Mantel an, nahm die Leine vom Haken und ging los. Rocco rannte maximal zwanzig Meter geradeaus, dann blieb er stehen und zitterte. Er konnte einem leid tun, weil die Kälte für seine kurzen Beine zu hart war.
Im Tierladen kaufte ich ihm einen lila Pullover aus künstlicher Wolle. Der linke Ärmel sass etwas schief, und die Verkäuferin musste lächeln. „So einen Hund sieht man selten“, sagte sie. Ehrlich gesagt sah Rocco darin lustig aus.
Ein Mann aus dem dritten Stock fing trotzdem an zu meckern, weil Rocco morgens um sieben bellte. Er kann sich meinetwegen beschweren; ich habe ihm ruhig erklärt, dass der Hund nur zwei Wochen bleibt. Er grüsst uns mittlerweile sogar, und meine Laune ist deutlich besser geworden.
Am Samstag musste ich eine merkwürdige Szene miterleben: Rocco stellte sich mutig zwischen zwei streitende Hunde. Mir fehlte der Mut einzugreifen, doch am Ende konnten wir ihn ohne einen Kratzer zurückkriegen. Die Mühe mit diesem kleinen Tier war minimal, der Gewinn dagegen gross. Seitdem muss ich ernsthaft darüber nachdenken, selbst einen Hund zu nehmen.