Für unser Schülermagazin wollten wir ein Interview mit Nadia Berger führen, der Moderatorin einer bekannten Talkshow. Wochenlang passierte nichts. Wir riefen an, sprachen auf ihre Mailbox und schickten eine Mail mit dem Link zu unserem Magazin. Eine Antwort bekamen wir nie.
Unsere Lehrerin meinte, wir sollten es altmodisch versuchen. Also steckten wir die Fragen in ein Kuvert und schickten sie an den Sender. Zwei Tage später rief das Büro auf meiner Mobilbox an und wollte uns mitteilen, dass Frau Berger am Freitag eine Stunde Zeit hat.
Wir fragten sie, ob die Kommunikation mit dem Publikum schwieriger geworden ist. „Im Netz will heute jeder sofort kritisieren“, sagte sie. „Nach jeder Moderation stehen hundert Kommentare da, und manche davon sind einfach eine Lüge.“
Besonders kritisch sieht sie Kollegen, die im Internet lügen, um Klicks zu bekommen. Ein bekannter Kommentator hatte über sie eine falsche Neuigkeit verbreitet; erst nach Wochen konnte ihr Anwalt den Fall klären, und der Sender musste den Beitrag löschen.
Insofern hat sich das lange Warten gelohnt. Die Aufnahme haben wir mit einem Mobiltelefon gemacht und später auf ein externes Laufwerk kopiert, weil unser Schulcomputer nämlich viel zu langsam ist. Über die Länge mussten wir einen Kompromiss finden: Statt sechs Seiten bekam der Text nur vier. Der nächste Moderator, hoffen wir, antwortet etwas schneller.