Seit einem Jahr arbeite ich als Pflegehelferin im Haus Sonnenhof in Graz. Frau Wallner, die unser Heim leitet, ist eine Managerin, die trotzdem jeden Vornamen kennt. Sie sagt, dass man gute Pflege langfristig planen muss, nicht von Woche zu Woche.
Am Montag war ich mit einem Krankenpfleger und einer Krankenschwester im Dienst. Jede Pflegekraft bekommt am Morgen eine Mappe mit den Plänen; wer seinen Kugelschreiber vergisst, schreibt mit dem Finger auf den Monitor, sagen wir im Spass.
Herr Novak, ein Pensionist aus Wien, war früher Mechaniker und erzählt gern von Autos. Nebenbei repariert er im Haus alles, was klemmt. Letzte Woche hat er dem Maler erklärt, wie man die Tür beim Notausgang streicht, ohne das Schild zu übermalen.
Unser Ordner mit den Notfallnummern liegt beim Laptop im Büro. Als der Paketbote am Dienstag das falsche Paket brachte, stand ich lange am Telefon. Ich finde, dass man in diesem Beruf mitdenken und auch kreativ sein muss, weil kein Tag wie der andere ist.
Im Sommer wird Frau Wallner pensioniert. Wer danach das Haus leiten wird, weiss niemand; ein Manager aus der Zentrale soll sich schon beworben haben. Wir sind motiviert, aber ohne ein gutes Netzwerk und ohne Leute, die bleiben, wird es schwer. Der Metzger im Dorf hat uns übrigens versprochen, weiterhin jeden Freitag zu liefern.