Am Samstag wollten meine Schwester und ich am Brienzersee wandern. Der Wetterbericht am Morgen klang harmlos: zuerst bewölkt, am Nachmittag etwas windig, elf Grad. Wir nahmen deshalb nur dünne Jacken mit, obwohl unsere Mutter uns gewarnt hatte.
Unten am Ufer war das Wasser grau und trüb. Über den Bergen im Westen stand zuerst nur eine einzige dunkle Wolke, die in einer halben Stunde zu einer schwarzen Wand gewachsen war. Meine Schwester wollte umkehren, ich nicht.
Auf einer Wiese oberhalb des Weges machten wir Pause, und genau dort erwischte uns das Unwetter. Der Regen kam fast waagrecht, und der Wind wurde so wild, dass ich meine Mütze verlor. Wir rannten in den Wald und standen zwanzig Minuten lang zwischen zwei nassen Tannen.
Ein Bauer aus Oberried nahm uns danach im Auto mit. Er lachte und sagte, dass sich das Wetter im Gebirge jede Stunde ändern kann. Ich ärgerte mich trotzdem, weil die warmen Sachen zu Hause im Schrank lagen.
Am Abend habe ich gelesen, wie eine Wettervorhersage überhaupt entsteht. Ein einzelnes Gewitter lässt sich kaum vorhersagen, einen Wirbelsturm oder einen Tsunami dagegen erkennen die Fachleute viele Stunden vorher. Ein Wetterbericht ist also nützlich, aber ich vertraue jetzt lieber meiner Regenjacke.