Seit zwei Semestern besuche ich die Pädagogische Hochschule Zürich. In einem Seminar über gute Methoden erzählte uns die Professorin, dass sie in Physik immer sehr schlecht war und heute trotzdem unterrichtet. Damals habe ich gelacht.
Im Februar durfte ich vier Wochen in einer Sekundarschule unterrichten. Die Klasse gehört zur Sekundarstufe I; meine Cousine in Wien würde Neue Mittelschule sagen, in Deutschland hiesse es Realschule.
Meine erste Stunde war Mathe. Ich hatte eine Methode ausprobiert, die im Seminar alle gelobt hatten: Die Schüler sollten wichtige Zahlen farbig markieren und unbekannte Begriffe selbst nachschlagen. Nach zehn Minuten redeten alle über Fussball.
Die Schularbeit danach lief schlecht. Ein Junge bekam einen Sechser, zwei andere ein nicht genügend. Der Klassenlehrer, ein ruhiger Mann, sagte nur, das Niveau der Aufgaben war zu hoch für den Anfang.
Beim zweiten Versuch habe ich weniger erklärt und mehr gefragt. Ein Mädchen hielt ein kurzes Referat über Vulkane, mündlich und ganz frei, und bekam von mir ein sehr gut.
Heute weiss ich: In der Primarschule, in der Orientierungsstufe, in der Mittelschule und später in der Sekundarstufe II braucht man vor allem Geduld. Ein Professor hatte uns das im ersten Semester gesagt, aber glauben konnte ich es erst im Klassenzimmer.