Letzten Winter habe ich an der Volkshochschule einen Schreibkurs besucht, weil ich mich auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vorbereiten wollte. Schon in der Volksschule hatte ich gern Geschichten geschrieben, doch mein letzter Test in der Schule war mit ungenügend bewertet worden. Ohne eine bessere Vorbereitung wäre auch die nächste Arbeit nur ein Vierer geworden.
Unsere Kursleiterin, Frau Brunner, hatte früher an einer Sonderschule unterrichtet und erklärte deshalb alles sehr ruhig. Sie schrieb den Textaufbau an die Tafel und liess uns unsere eigenen Sätze laut vorlesen. Dabei merkte ich zum ersten Mal, dass man den Titel eines Buches und die Überschrift eines Abschnitts leicht verwechseln kann — genau das hatte ich jahrelang getan.
«Das sind zwei verschiedene Stufen eines Textes, die man unterscheiden muss», sagte sie und zeigte auf ihr Blatt: vgl. Kapitel drei. Das war mir theoretisch völlig klar, praktisch aber fiel es mir schwer, mich zwei Stunden lang zu konzentrieren. Ohne Wörterbuch und ohne meinen roten Stift ging bei mir gar nichts.
Am Ende zählte nicht nur die Teilnahme, sondern auch eine stilistisch saubere Schlussarbeit. Ich musste mich wirklich anstrengen und verbrachte drei Wochenenden am Schreibtisch, obwohl draussen die Sonne schien.
Heute studiere ich an der Uni in Basel und bekomme sogar ein Stipendium. Meiner Meinung nach sollte jede Schule solche Kurse anbieten, denn gutes Schreiben ist keine Begabung, sondern Übung.