Am Dienstagabend war ich in einer Radiosendung willkommen. Und worüber sprachen wir? Über einen Zeitungsbericht, in dem stand, dass die Post in unserer Region die Briefe nicht mehr pünktlich zustellen kann. Mein Wunsch war, endlich einmal die Wahrheit zu hören.
Der erste Zuhörer machte dem Unternehmen einen schweren Vorwurf. Ich muss zugeben, dass ich seine Wut verstand, aber ich konnte ihm nicht in allem zustimmen. Man sollte einander zuhören, bevor man urteilt, das sage ich auch meinen Studenten.
Dann rief eine Frau mit einer Vorwahl aus dem Tessin an. Sie hatte eine Weiterleitung beantragt, weil sie umgezogen war, doch niemand konnte ihr weiterhelfen. Ein virtueller Kundendienst antwortete ihr in einer Sprache, die kaum verständlich war. Der Sprecher der Post bat um Verständnis und um Verzeihung.
Genau darin sah ich einen Widerspruch: Das Unternehmen spart Personal und verspricht trotzdem einen besseren Dienst. Viele Kunden zweifeln inzwischen daran, und auch meine Zweifel blieben. Am Ende musste der Sprecher wenigstens eine Prüfung zusagen.
Ich möchte alle davor warnen, solchen Versprechen zu schnell zu glauben. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte: Die Post hat zu wenig Leute, und die Kunden haben zu wenig Geduld. Aber zumindest haben an diesem Abend beide Seiten einmal ruhig geredet.