Meine Schwester Lena hat im Frühling in Graz ein kleines Catering gegründet. Früher hat sie in einem Gasthaus auf dem Land gearbeitet, später in einer grossen Gaststätte am Hauptplatz. Jetzt kocht sie für Büros, und ich helfe ihr an den Samstagen.
Ihr erster grosser Auftrag war ein Firmenfest mit hundert Gästen. Beim Fleischer bestellte sie fünfzig Deka Faschiertes; auf dem Zettel stand sogar Dekagramm, weil der junge Verkäufer neu war. Dazu machte sie Erdapfelsalat mit viel Essig und probierte jedes Gewürz einzeln.
Trotzdem ging einiges schief. Der Deckel einer Box öffnete sich im Auto, die Gabeln blieben in der Küche liegen, und ein Gast fand in seinem Ei eine Eierschale. Bei dreissig Grad hatten alle Durst, nach einer Stunde war jede Flasche Cola leer, und sogar Lena stand durstig in der Ecke.
Am meisten überraschte uns aber, dass die Hälfte der Gäste fleischlos essen wollte. Seither steht auf Lenas Karte genau, welche Speise fleischfrei ist. Als Dessert gibt es jetzt Gebäck und einen Fruchtsalat, weil das fast allen schmeckt.
Lena würde nie ein Fertiggericht aufwärmen, auch wenn es billiger wäre. Ich finde das manchmal übertrieben, denn nach einem langen Samstag hole ich mir selbst am liebsten einen Döner und ein kaltes Getränk. Aber ihre Gäste bestellen wieder, also hat wohl sie recht.