Mein Berufsleben hat ziemlich ungewöhnlich angefangen: Zuerst war ich Briefträger in Bern, dann habe ich zwei Jahre lang in einem Callcenter telefoniert. Heute arbeite ich als Büroassistent bei einer Firma, die Dienstleistungen für Pflegeheime anbietet.
Der Büroalltag ist viel ruhiger, als ich gedacht hatte. Ich bestelle Büromaterial, wechsle den Toner im Drucker und speichere jede Datei am richtigen Ort. Unsere Bürozeit dauert von acht bis halb fünf, danach ist der Büroraum leer.
Letzte Woche gab es trotzdem Streit. Unsere Direktorin kam von einer Dienstreise zurück und wollte eine Software einführen, mit der sie jede Tätigkeit am Computer messen und die Mitarbeiter beurteilen könnte. Der Betriebsrat hat sofort eine Besprechung verlangt.
Im Besprechungszimmer haben wir fast zwei Stunden diskutiert. Die Betriebsrätin Frau Halter hat gefragt, ob der Datenschutz dabei überhaupt eingehalten wird. Unser Bilanzbuchhalter wollte die Sache zuerst in Ruhe besprechen und eine genaue Dokumentation verlangen.
Am Ende hat die Direktorin die Einführung verschoben. Ein ehemaliger Kollege, der beruflich schon viel erlebt hat, schrieb mir danach, dass eine Beschäftigung ohne Vertrauen nichts wert ist. Ich finde, er hat recht: Für meine weitere Berufstätigkeit wünsche ich mir vor allem Ruhe und klare Regeln.