Im Juni sind mein Bruder und ich mit dem Velo von der Nordsee bis an die Ostsee gefahren: zwölf Tage, 620 Kilometer und ein Zelt, das nie ganz trocken wurde.
In der ersten Woche begann es jeden Nachmittag zu regnen. Ein Sturm hat uns nördlich von Bremen fast vom Rad geholt, und ein Bauer erzählte uns lachend, dass es hier im April sogar noch schneien kann.
Weiter östlich, hinter Hamburg, wurde alles besser. Plötzlich war es sonnig, die Temperatur stieg auf 26 Grad, und mittags suchten wir jeden Schatten. Auf den Wiesen standen Pferde, am Strassenrand blühten wilde Rosen, und in den Dörfern wurden abends die Pflanzen gegossen, weil der Boden so hart war.
Nur einmal, kurz vor Lübeck, mussten wir einen steilen Weg hinaufschieben. In Stralsund besuchten wir den Tierpark: Die Pinguine gefielen meinem Bruder besser als jedes andere Tier, und eine Schildkröte, die dort seit 1974 lebt, hat er zehn Minuten lang fotografiert.
Am letzten Abend sassen wir südlich von Rostock am Strand. Nach dem Sonnenuntergang war der Himmel voller Sterne, und mein Bruder sagte, dass ihm dieses Meer besser gefällt als jeder Ozean. Am Morgen danach begann die Sonne schon um fünf Uhr zu scheinen, und nach zwei nassen Wochen war dieser Sonnenschein das schönste Geschenk. Man muss also nicht in den Süden fliegen, um glücklich zu sein.