Meine Tante Herta hat mir im Juni ihre alte Wohnung in einem Vorort von Wien überlassen. Sie wohnt jetzt bei ihrer Tochter, und ich soll die Wohnung vermieten. Die Vermietung, sagte sie am Telefon, sei einfacher, als ich denke. Sie hat sich geirrt.
Die Wohnung liegt im zweiten Stock. Der Waschraum dagegen befindet sich im UG, zusammen mit den Kellerabteilen, und im ganzen Untergeschoss riecht es nach Waschmittel. Im Stiegenhaus brennt nur auf jedem zweiten Stockwerk eine Lampe.
Drei Wochen lang habe ich aufgeräumt. Ich musste alte Zeitungen wegräumen, den Teppich staubsaugen und die Terrasse putzen. Im WC hörte ich den Wasserhahn tropfen, und das alte Wasserklosett spülte nur, wenn man zweimal drückte.
Mein Nachbar meinte, ich solle den Stromanbieter wechseln, weil die Stromkosten in diesem Haus sonst viel zu hoch würden. In der Küche funktionierte nämlich nur eine einzige Steckdose, und als das Licht ausging, fand ich nicht einmal ein Streichholz.
Jetzt ist alles fertig: ein neuer Stuhl am Fenster, eine Vase auf dem Tisch, und die Wäsche kann draussen auf der Terrasse trocknen. Als Vermieter bin ich trotzdem nervös. Ich finde, eine Wohnung zu putzen ist leichter, als die richtigen Leute dafür zu finden.