Am Samstag stand ich auf dem Parkplatz neben der Kirche, als ich hinter mir etwas krachen hörte. Es war kalt, ich trug nur eine dünne Jacke, und in meiner Jackentasche fand ich bloss einen Kamm und einen losen Knopf, aber keinen Stift.
Ein älterer Herr war rückwärts gegen meine Beifahrertür gefahren. Zuerst war ich wütend, weil ein solcher Stoss eine ganze Tür kaputtmachen kann. Zum Glück gab es nur einen langen Kratzer. Trotzdem kann bei einem Unfall mehr kaputtgehen, als man zuerst sieht, deshalb habe ich sein Kennzeichen fotografiert.
Herr Iten fährt einen alten Mercedes, der innen erstaunlich komfortabel ist und den er jährlich prüfen lässt. Er wirkt konservativ, ist aber sehr kommunikativ. Nach fünf Minuten wusste ich, dass sein Kreuz seit Jahren wehtut und er sich beim Rückwärtsfahren kaum noch umdrehen kann. Körperlich ist er nicht mehr so kräftig wie früher.
In der Kfz-Werkstatt hat man mir erklärt, dass man kleine Schäden heute oft nur mit einer dünnen Folie überkleben kann. Je neuer ein Auto ist, desto teurer wird jede Reparatur. Die Versicherung zahlt komplett, weil Herr Iten sofort alles zugegeben hat. Klug war sein Manöver trotzdem nicht.
Komisch ist nur, dass ich ihn ohne diesen Unfall nie kennenlernen würde. Ob ich jemals wieder so ruhig bleibe, weiss ich nicht. Inzwischen gehört er zu unserem Freundeskreis.