Meine Schwester Lea ist Friseurin. Im Mai wurde sie fristlos entlassen, weil sie angeblich die Arbeitszeiten nicht einhalten konnte. Der Friseur, bei dem sie damals gelernt hatte, wollte in Wahrheit einfach Personal sparen, weil im Frühling weniger Kundinnen kamen.
Die Entlassung kam an einem Freitag, kurz vor dem Feierabend. Lea sollte noch die letzten Rechnungen erledigen und danach den Schlüssel abgeben. Sie hatte sechs Jahre in diesem Salon gearbeitet und vorher nie eine Warnung bekommen.
Unser Bruder, der als Förster arbeitet, hatte den Einfall, dass wir einen Fachmann für Arbeitsrecht einsetzen sollten. Dieser Anwalt konnte schnell feststellen, dass im Vertrag ein falsches Eintrittsdatum stand. Er meinte, wir sollten drei Monatslöhne fordern.
Die Erstellung der Unterlagen hat zwei Wochen gedauert. Ich musste eine Liste erstellen, in der alle Stunden einheitlich notiert waren, denn so etwas kann viel Geduld erfordern. Am Ende war der Betrieb bereit, die Forderung zu erfüllen.
Heute arbeitet Lea in einer Fabrik in Aarau. Sie verdient mehr und kann dort vieles eigenverantwortlich entscheiden. Im Herbst beginnt sie eine Fortbildung, und mit ihrer Erfahrung wird sie das sicher schaffen. Den Streit mit dem alten Chef will sie nicht fortsetzen, und das finde ich richtig.