Seit dem Frühling besuche ich jeden Mittwoch einen Kochkurs im Quartierzentrum von Bern. Unsere Kursleiterin, Frau Bieri, sagt immer, dass gutes Essen nicht mit teuren Nahrungsmitteln beginnt, sondern mit Neugier. Zuerst habe ich ihr nicht geglaubt, obwohl sie es überzeugend erklärt hat.
Am ersten Abend haben wir ein ganzes Menü gekocht. Ich habe Möhren gerieben, Silvia hat aus Mehl und Eiern frische Nudeln gemacht, und als Nachspeise gab es einen Kuchen mit Marillen und Nüssen – jede Nuss hatten wir selbst geknackt. Dazu wurde nur Mineralwasser getrunken, weil Limonade angeblich jeden kulinarischen Eindruck zerstört.
Spannend wurde es in der dritten Woche. Eine Teilnehmerin verträgt keinen Milchzucker und muss deshalb laktosefrei kochen. Statt Milch nimmt sie Hafermilch, statt Butter manchmal Margarine, und sie behauptet, ihr Essen schmeckt trotzdem lecker. Wir haben probiert und mussten zugeben: Sie hat recht.
Frau Bieri hat uns ausserdem gezeigt, dass eine Konservendose nichts Schlechtes ist. Tomaten aus der Dose enthalten im Winter oft mehr Nährstoffe als blasse Ware aus dem Regal. Auch mageres Fleisch und selbst gekochte Marmelade standen auf dem Programm; bei uns in der Schweiz sagt man dazu übrigens Konfitüre.
Seit dem Kurs hat sich mein Frühstück verändert. Früher musste ich abends immer naschen, heute rühre ich mit dem Löffel ein Müesli an – in Deutschland heisst das Müsli – und bin bis zum Mittag satt. Ich würde den Kurs jedem empfehlen, der glaubt, dass er nicht kochen kann.