Am ersten Kursabend schrieb die Trainerin einen einzigen Satz in grosser Schrift an die Wand: «Wer laut spricht, hat deshalb noch nicht recht.» Die zwölf Teilnehmenden, die meisten bei einem lokalen Sender beschäftigt, blieben skeptisch. Schlagfertig, so hiess es in der Runde, sei man entweder oder eben nicht.
Diese Annahme hält die Trainerin für simplifizierend. Wer schlagfertig wirke, habe geübt; wer schlüssig argumentiere, habe vorher nachgedacht. Eine Dolmetscherin, die an Kongressen simultan arbeitet, konnte darüber nur seufzen: In ihrer Kabine bleibe für das Nachdenken keine Sekunde.
Danach sollte jeder ein misslungenes Gespräch schildern. Die Schilderung einer Redaktorin blieb haften: Ein Beitrag, den die Redaktion um sieben Uhr senden wollte, war nicht fertig, und ihr Vorgesetzter konnte daraufhin nur noch schnauzen. Scheinbar ging es um Minuten. Die Trainerin fragte, worum es sich handeln könne: um Zeitdruck oder um Macht?
Ihr erster Rat klang schwammig: nicht sofort antworten, sondern sich etwas durch den Kopf gehen lassen. Danach wurde sie deutlich. Wer sich ausdrücken wolle, müsse den eigenen Satz zuerst selbst verstehen; wer schwindeln müsse, um recht zu behalten, habe die Sache ohnehin verloren. Und wer Kritik lieber schicken als sagen wolle, weiche dem Gespräch aus.
Auf dem Flipchart standen am Ende drei Regeln: sich verlassen auf Notizen statt auf Stimmungen; sich einigen auf eine Formulierung, bevor der Streit beginnt; sich bedanken, auch wenn man widerspricht. Wer angeschrien werde, dürfe sich weigern, weiterzureden.
Nach der dritten Woche wirkte die Gruppe verändert. Zwei Redaktionen, die sich austauschen wollten, aber nie Gelegenheit fanden, blieben sitzen, um sich unterhalten zu können. Sinngemäss zitierte die Trainerin einen alten Radiomann: Wer sich durchsetzen wolle, brauche kein lautes Organ. Der Satz an der Wand stand sinnbildlich für den ganzen Kurs.