In der Provinz wird über grosse Politik selten laut gestritten. In diesem Frühling war es anders. Ein Senator aus der Hauptstadt hatte in einer Rede gefordert, die Ausfuhr von Munition neu zu regeln, und damit ein Thema berührt, das die Bevölkerung wie kein zweites polarisieren kann: die Neutralität.
Die Politiker im Regionalparlament reagieren bis heute gespalten. Die einen plädieren für eine moderate Lösung mit strengeren Kontrollen, die anderen nennen den Vorstoss eine blosse Provokation. Wer das Land massgeblich mitgestalten wolle, sagte die Sprecherin der progressiven Fraktion, müsse ein Gesetz von 1907 endlich revidieren, statt es wie ein Denkmal zu hüten.
Vor dem Gebäude sammelten sich die Gegner. Der Protest blieb friedlich; wer protestieren wollte, tat es mit Schildern, Liedern und Kaffee aus Thermoskannen. Einzelne Provokateure suchten die Kameras, doch die Menge liess sich nicht als radikal darstellen. Von Repression konnte keine Rede sein, zumal ein repressives Vorgehen der Polizei die Stimmung nur verschärft hätte.
Der Senator, in jungen Jahren als Rebell verschrien, legte wenige Tage später sein Mandat nieder. Er warf den Kollegen Scheinheiligkeit vor: Sie stimmten opportunistisch ab und wollten hinterher niemandem Rechenschaft ablegen. Wer eine Region repräsentieren wolle, dürfe Repräsentation nicht mit Selbstdarstellung verwechseln.
Die Regierung beeilte sich daraufhin, Gesprächsbereitschaft zu signalisieren; eine Arbeitsgruppe soll im Herbst einen Bericht vorlegen. Wer sich informieren will, statt den Schlagzeilen zu glauben, erkennt allerdings rasch, wie eng der Spielraum tatsächlich ist.
Dass solche Fragen ein ganzes Tal politisieren, ist dennoch kein Unglück. Streit gehört zur Demokratie, solange am Ende jemand geradesteht und niemand vergisst, dass auf der anderen Seite ebenfalls Menschen sitzen.