Das Bruttoinlandprodukt misst den Wert der produzierten Güter und Dienstleistungen. Es ist eine nützliche Zahl, aber es misst nicht Wohlstand, sondern Umsatz – und diese beiden Dinge gehen manchmal in verschiedene Richtungen.
Zwei Beispiele machen das deutlich. Ein Unfall erhöht das Bruttoinlandprodukt, weil Reparatur, Behandlung und Ersatz Umsatz erzeugen. Eine Grossmutter, die ein Kind betreut, erhöht es nicht, während eine bezahlte Krippe es tut. Dieselbe Leistung, zwei Zahlen.
Ökonominnen weisen seit Jahrzehnten auf diese Grenzen hin, und Alternativen existieren: Indikatoren für Gesundheit, Bildung, Ungleichheit, Umweltverbrauch und Zeitverwendung. Ihr Nachteil ist praktisch: Sie sind schwerer zu berechnen und politisch angreifbarer, weil jede Gewichtung eine Wertung enthält.
Trotzdem hat sich etwas bewegt. Mehrere Länder veröffentlichen Sammlungen von Kennzahlen neben dem Bruttoinlandprodukt, und einige Regierungen binden Budgetentscheide daran. Wirkung entsteht dort, wo eine Zahl regelmässig in derselben Sitzung liegt wie das Geld.
Für den Alltag hat die Kritik eine einfache Übersetzung. Wachstum sagt nichts darüber, wem es zugutekommt. Ein Land kann wachsen, während Mieten stärker steigen als Löhne – dann fühlen sich Statistik und Erfahrung widersprüchlich an, und beide haben recht.
Eine Zahl ist immer eine Entscheidung darüber, was gezählt wird. Wer sie verwendet, ohne diese Entscheidung zu kennen, verwechselt Messbarkeit mit Wichtigkeit.