An der Wand der Schlussredaktion klebt ein Zettel, auf dem nur drei Zeichen stehen: «um ... zu». Wer die Konstruktion häuft, findet ihn am Morgen auf der Tastatur. Für Marta ist das keine Trivialität, sondern der schnellste Weg, einen unscharfen Gedanken sichtbar zu machen.
Jonas, der den strittigen Bericht geschrieben hatte, fand den Zettel unangemessen. Er habe den Fall sauber umreissen wollen; wenn die Sätze lang seien, liege das am Thema. Seine Antwort kam nicht per Mail, sondern als SMS, mitten in der Nacht, sozusagen als Notwehr.
Am nächsten Morgen mussten die beiden telefonieren. Marta hörte zu, ohne ein einziges Mal zu unterbrechen, und liess die ganze Tirade über sich ergehen: Sie sei spitzfindig, ihre Randbemerkungen seien spöttisch und im Übrigen unwesentlich. Sein Ton war unverkennbar theatralisch.
Erst danach bat sie ihn, den ersten Absatz laut vorzulesen. Jonas las, stockte, las noch einmal. Dem Abschnitt fehlte die Stimmigkeit, denn drei Begründungen widersprachen einander. Martas Einwand war somit stichhaltiger als seine Empörung, auch wenn er das nicht sonderlich gern hörte.
Sie einigten sich darauf, strittige Stellen künftig untereinander zu klären, bevor ein Text das Haus verlässt. Statt zu streichen, begann Marta zu unterstreichen, was treffsicher war. Unaufrichtig, sagte sie, sei nicht die Lüge, sondern der Satz, der etwas verspricht und nichts hält.
Seither reden die beiden ungezwungen miteinander. Seinen Standpunkt hält Jonas dennoch aufrecht: Ein Zettel sei für eine Kritik zu subtil und zugleich zu grob. Marta findet es unfassbar, dass darüber überhaupt gestritten wird; wer sowieso jeden Satz erklären müsse, schreibe eben ungenau.